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Titelaufnahme

Titel
Der Fall Ludwig Teschler : ein zufällig aufgefundenes Handschriftenkonvolut und die Rekonstruktion eines Magiedeliktes im 17. Jahrhundert / Christian Wessely, Evelyn Knappitsch
Verfasser/ VerfasserinWessely, Christian In der Gemeinsamen Normdatei der DNB nachschlagen ; Knappitsch, Evelyn
ErschienenGraz : Kath.-Theol. Fakultät der Universität Graz Graz, 2015
Umfang386 S.
SpracheDeutsch
DokumenttypBuch
Schlagwörter (DE)Albert Widman / Inquisition / Haus im Ennstal / Hexerei / Zauberei / Festmachen / Magie / Oswald Caspar
Schlagwörter (EN)Albert Widman / Inquisition / Haus im Ennstal / Witchcraft / Invulnerability / Magic / Oswald Caspar
ISBN978-3-9503624-2-8
URNurn:nbn:at:at-ubg:3-2582 Persistent Identifier (URN)
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Der Fall Ludwig Teschler [63.68 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Bei einer Dachbodenräumung in den 1990er Jahren stieß eine Bekannte des Herausgebers auf eine unauffällige Plastiktüte, deren Inhalt altes, unlesbar beschriftetes Papier ihre Aufmerksamkeit erregte. Ausgehend von diesem Gelegenheitsfund entwickelte sich eine veritable Forschungsarbeit, die nun, nach mehr als fünf Jahren, zumindest ein Zwischenergebnis vorlegen kann.

Der Inhalt der Fundstücke war zum überwiegenden Teil unspektakulär, wenn auch aufschlussreich: Die frühneuzeitliche Bußpraxis, die Rechtsgeschäfte einer zentralen Pfarre des damaligen politischen Salzburger Grenzbereiches oder auch offizielle Regierungserlässe wie Mobilmachungen sind schon des Öfteren (wenn auch nach Einschätzung der Herausgeber noch nicht erschöpfend) in facheinschlägigen Publikationen behandelt worden. Was aber neu und faszinierend ist, ist die Figur eines jungen Mannes, der in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges von Angst getrieben Zuflucht in der Magie sucht und dabei entdeckt wird: Der Handwerker Ludwig Teschler, zum Zeitpunkt der Anklageerhebung 26 Jahre alt, wird überführt, die Herstellung eines Talismans betrieben zu haben, der dem Träger einen Schutzzauber garantiert. Die aufgefundenen Akten lassen darauf schließen, dass „magische Bündel“, wie jenes von Teschler angefertigte, im Ennstal weit verbreitet waren. Der Fall Ludwig Teschler steht jedoch auch exemplarisch für die aufgeklärte Haltung kirchlicher Autoritäten gegenüber Magiedelikten, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf Belehrung anstatt auf Bestrafung abzielt. Elemente moderner Hexenlehre wie Teufelsbeziehungen fehlen in der Anklage vollkommen. Warum sich Teschlers Spur ebenso wie die der beteiligten Frau, der Hebamme Barbara Schlemmerin, in der Geschichte verliert, ist ein bislang ungelöstes Rätsel, weist doch die Akten- und Archivlage darauf hin, dass Teschler lange Zeit nach diesem Vorfall noch ein rechtsfähiges Mitglied der Gemeinde in Haus im Ennstal war.

Zusätzlich wird in diesem Band der Öffentlichkeit der gesamte restliche Bestand des Fundes in hochauflösenden Scans und soweit möglich auch transkribiert zur Verfügung gestellt.

Zusammenfassung (Englisch)

By chance the authors were confronted with a remarkable bunch of old documents, found in the attic of a house in Graz. Amongst them were letters and records concerning the trial of a young man, who, in the turmoil of the 1640s, sought to become invulnerable by means of magic.

Although caught and despite all proofs and the confession he made, the clerical authority came to a surprising verdict: He was sentenced to a pilgrimage of some 20 km after being instructed about the nonsense of such superstition.

However, even though there is evidence that he married and had kids afterwards, his death is not recorded in the church records; and also, the involved midwife disappears without further trace.

Additionally, the rest of the documents was scanned and transcribed too; they contain interesting traces for other research projects.