Titelaufnahme

Titel
Heterotopien und Gouvernementalität in Alfred Kubins Roman "Die andere Seite" (1909) / vorgelegt von Joshua Köb
Verfasser/ VerfasserinKöb, Joshua
Begutachter / BegutachterinReulecke, Anne-Kathrin
Erschienen2015
Umfang100 Bl. : Zsfassungen (2 Bl.)
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2015
Anmerkung
Zsfassungen in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
SchlagwörterKubin, Alfred <Die andere Seite> / Kubin, Alfred <Die andere Seite> / Online-Ressource
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-90885 Persistent Identifier (URN)
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Heterotopien und Gouvernementalität in Alfred Kubins Roman "Die andere Seite" (1909) [0.76 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Masterarbeit thematisiert Alfred Kubins Roman Die andere Seite von 1909. Darin wird die Inszenierung und der Untergang einer Gegenwelt zur eben einsetzenden Moderne geschildert. Als Zufluchtsort für die mit Moderne und Fortschritt Unzufriedenen wird in utopischer Manier der Traum eines vormodernen Staates mit Namen „Traumreich“ verwirklicht. Der Gegenentwurf soll durch die Realisierung des regressiven Wunsches nach Rückkehr in eine als besser imaginierte Vergangenheit Auswege aus den Krisen der Moderne bieten. Es stellt sich bald heraus, dass die Utopie eine Dystopie ist. Deren Kombination mit einer Apokalypse erscheint nicht von ungefähr, da solche Ideen in engem Zusammenhang mit historischen Krisensituationen stehen. Im ersten Teil soll darum die Einbettung in historische Kontexte und eine Hinführung zu den Themen Utopie, Dystopie und Apokalypse erfolgen. Im zweiten Teil wird das Traumreich mittels Foucaults Konzepten der Heterotopien und der Gouvernementalität analysiert. Dabei wird es als eine spezifische Form einer Heterotopie klassifiziert. Anschließend wird eine Gouvernementalitätsanalyse durchgeführt, die die im Traumreich herrschende Form der Regierung zu Tage fördern soll. Es wird festgestellt, dass im Traumreich nicht nur die Zeit anzuhalten versucht wird und dabei alle Entwicklungen und Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik ausgeschlossen werden, sondern insgesamt eine Fokussierung auf die Versammlung des Ausgegrenzten und Anormalen besteht. Die Analyse der Regierungsform brachte deren panoptisches Funktionsmodell zu Vorschein. Die Internalisierung dieses Machtverhältnisses ist bei den Menschen des Traumreichs derart fortgeschritten, dass sie nicht mehr in der Lage sind, wirksame Formen des Gegen-Verhaltens zu entwickeln. Es zeigt sich, dass die Gegenwelt den utopischen Traum eines besseren Lebens nicht einlösen kann, denn den Mängeln der Moderne und der Krisenerfahrung der Zeit kann nicht mit einer Rückkehr ins Vormoderne begegnet werden.

Zusammenfassung (Englisch)

This thesis analyzes Alfred Kubins novel Die andere Seite (1909) which tells the rise and fall of an alternative world to the incipient modernity. Those who are dissatisfied with modernity and progress find shelter in a pre-modern state which is realized in utopian manner and named “Traumreich”. This alternative, which implements the regressive wish to return to a more positively imagined past, should offer a way out of the crises of modernity. It soon turns out that this utopia is a dystopia, and its combination with an apocalypse does not seem to appear by chance since such ideas are closely related to historically critical situations. Hence, the first section of this thesis studies the historical contexts and provides an introduction to the topics of utopia, dystopia, and apocalypse. The following chapter analyzes the Traumreich by employing Foucaults concepts of heterotopias and governmentality and classifies it as a specific form of heterotopia. Subsequently, an analysis of governmentality is conducted which is expected to unearth the prevailing form of government in the Traumreich. It is found that in the Traumreich not only time is being tried to stop in order to exclude all developments and findings made by science and technology, but that there exists an overall concentration on collecting the excluded and the anomalous. An analysis of the form of government revealed its panoptical functional model. People living in the Traumreich have internalized those power relations such that they are incapable of developing effective strategies of counteraction. It is revealed that the alternative world cannot redeem the utopian dream of a better life, as the deficiencies of modernity and the experience of crises cannot be encountered by returning to the pre-modern era.