Titelaufnahme

Titel
Neuronale Korrelate der interpersonalen Distanzwahrnehmung bei männlichen Gewaltstraftätern / Lena Raffelsberger
Verfasser/ VerfasserinRaffelsberger, Lena
Begutachter / BegutachterinSchienle, Anne
Erschienen2015
Umfang110 Bl. : Zsfassungen (2 Bl.) ; Ill., graph. Darst.
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2015
Anmerkung
Zsfassungen in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (GND)Gewalttäter / Interpersonale Wahrnehmung / Distanz / Limbisches System / Gewalttäter / Interpersonale Wahrnehmung / Distanz / Limbisches System / Online-Ressource
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-90842 Persistent Identifier (URN)
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Neuronale Korrelate der interpersonalen Distanzwahrnehmung bei männlichen Gewaltstraftätern [1.87 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Straftäter zeigen laut bisheriger Forschung Defizite in der Emotionsregulation sowie der Impulskontrolle und neigen zu einer feindlicheren Wahrnehmung der Umwelt. Ebenso konnte ein Zusammenhang zwischen verübter Gewalt und einem größeren interpersonalen Distanzbedürfnis hergestellt werden. Distanz verleiht Sicherheit und Freiheit, Nähe ermöglicht aber im Gegenzug auch Kommunikation und den Austausch mit anderen. Die aktuelle Studie beschäftigt sich mit dem Effekt einer Distanzverringerung auf das affektive Erleben sowie die Aktivierung des limbischen Systems. Dazu wurden 18 männliche Gewaltstraftäter sowie 18 nicht straffällige Kontrollpersonen im Alter von 19 bis 58 Jahren mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) untersucht. Die Simulation einer Distanzreduktion erfolgte durch sich annähernde Bilder. Von Interesse waren im Besonderen die darauf folgenden behavioralen und neuronalen Reaktionen. Zusätzlich wurden noch die Psychopathie, die bevorzugte interpersonale Distanz zu Männern und Frauen sowie diverse weitere Persönlichkeitsmerkmale erfasst. Straftäter unterschieden sich in ihrer bevorzugten interpersonalen Distanz nicht von den Kontrollpersonen, jedoch zeigten sie stärkere Aktivierungen des Hippocampus und der Insula bei der Betrachtung sich annähernder männlicher Gesichter im Vergleich zu Kontrollprobanden. Diese Ergebnisse deuten auf eine stärkere neuronale Reaktivität der Straftäter auf bedrohliche Reize, auch wenn sich dieser Effekt in den Selbstauskünften nicht zeigte. Zu Frauen wurde allgemein eine geringere Distanz gewünscht als zu Männern. Sich annähernde weibliche Gesichter wurden auch als weniger unangenehm empfunden als männliche. Für die Psychopathie ergaben sich vereinzelte Hinweise auf verringerte Distanzbedürfnisse, um konkrete Aussagen darüber zu treffen bedarf es allerdings noch weiterer Forschung.

Zusammenfassung (Englisch)

Previous research revealed deficits in affective and impulsive regulation among delinquents, who are also likely to perceive their environment as being hostile. Likewise they tend to prefer greater distances from other people during social interactions. Distance provides freedom and safety, whereas a certain approach is necessary for engaging in communication. The present study deals with the accompanying behavioral and neural effects, especially concerning the limbic system, of interpersonal distance modulation. The sample consisted of 18 male violent offenders and 18 controls between 19 and 58 years old, who underwent an interpersonal distance task as well as a functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI) sequence. Perceived distance was modulated through approaching and static images of human faces, the reactions to these stimuli formed the main interest of the present investigation. In addition, psychopathy, preferred interpersonal distance and other personality traits were compiled. Delinquents did not differ from controls in their need for interpersonal distance. However approaching male faces compared with female and static ones elicited higher reactions of the insula and the hippocampus in delinquents than in controls. Approach was generally associated with enhanced activation of the left amygdala and the hippocampus, as well as the whole brain. Favoured distance towards women was smaller than towards men, female faces were also rated as less unpleasant than male ones under the approaching condition. Male faces seem to be more threatening than female ones and lead to stronger neural reactions, although this effect was not confirmed by behavioral data. Modulation of interpersonal distance was generally linked to elevated neural activity. Some evidence for a connection between psychopathy and reduced interpersonal distance has been found, but for a better understanding of these effects further examination and research are required.