Titelaufnahme

Titel
Die anonyme Geburt : ein Vergleich des österreichischen und deutschen Rechts / vorgelegt von: Elisabeth Mautner
Verfasser/ VerfasserinMautner, Elisabeth
Begutachter / BegutachterinArnold, Stefan Karl
Erschienen2015
UmfangIX, 74 Bl., Bl. X - XVII : Zsfassung (1 Bl.)
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2015
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Österreich / Anonyme Geburt / Recht / Deutschland / Österreich / Anonyme Geburt / Recht / Deutschland / Online-Ressource
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-87519 Persistent Identifier (URN)
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Die anonyme Geburt [0.51 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Der EGMR verneinte in seiner Entscheidung 42326/98 Odièvre/Frankreich vom 13.02.2003 eine Verletzung von Art 8 EMRK der in Frankreich anonym geborenen Beschwerdeführerin. Er bestätigte das grundsätzliche Recht auf Kenntnis der Abstammung aus Art 8 EMRK. Die französische Rechtslage gewährt einer anonym gebärenden Mutter jedoch ein absolutes Vetorecht bei der ab dem 14. Lebensjahr möglichen Einsichtnahme des Kindes in die über die Mutter geführten Aufzeichnungen. Die Ermöglichung der Einsichtnahme erachtet der EGMR als ausreichend, um einerseits dem anonym geborenen Kind das Recht auf Kenntnis seiner Herkunft und andererseits die Anonymität der Mutter aus ihrem Selbstbestimmungsrecht heraus zu gewährleisten. Weder in Österreich noch in Deutschland besteht eine gesetzliche Regelung für die in zahlreichen Krankenanstalten angebotene und gelebte Praxis einer anonymen Geburt. Österreich agiert aufgrund eines Erlasses GZ 4600/42-I 1/2001 vom 27.07.2001 über Babynest und anonyme Geburt des BM für Justiz, der von den einzelnen Bundesländern unterschiedlich umgesetzt wird. Deutschland hat, ausgenommen die gesetzliche Regelung der „vertraulichen Geburt“ seit 01.05.2014, die jener einer Inkognitoadoption entspricht und der Mutter ebenfalls ein absolutes Vetorecht gegen die Einsichtnahme zuspricht, keinerlei legistische Regelungen getroffen. Diese Arbeit befasst sich mit der rechtsvergleichenden Betrachtung der Vereinbarkeit der anonymen Geburt im Hinblick auf die verfassungs- und völkerrechtlich gewährten Grundrechte sowie des Familien- und Personenstandsrechts auf einfachgesetzlicher Grundlage. Dies vor allem in Bezug auf den möglichen Widerspruch des Rechtes des Kindes auf Kenntnis seiner eigenen Abstammung im Gegensatz zu den Grundrechten seiner ihn abgebenden oder anonym gebärenden Mutter, aber auch bezüglich der Stellung des leiblichen Vaters.

Zusammenfassung (Englisch)

In its decision 42326/98 Odièvre/France, 13.02.2003, the ECHR ruled against a violation of Art 8 of the EHRC by the French-born complainant. It confirmed the fundamental right to a knowledge of parentage provided for by Art 8 EHRC. The French regulatory environment nevertheless affords a mother who gives birth anonymously, an absolute right of veto of an inspection by the child of the records kept about her that becomes possible when the child has reached the age of 14. The ECHR deemed the enabling of the inspection as adequate, on the one hand to guarantee the anonymously born child the right to knowledge concerning its parentage, and on the other hand to ensure the anonymity of the mother stemming from her right to self-determination. A legal framework for anonymous births, offered in, and common practice in numerous medical institutions, neither exists in Austria nor in Germany. Austria operates on the basis of a decree, GZ 4600/42-I 1/2001 of 27.07.2001 concerning Babynest and anonymous birth, issued by the Federal Ministry for Justice, which is variously implemented by the individual Federal provinces. Germany, with the exception of the statutory regulation of the "confidential birth" since 01.05.2014, which corresponds to that for an incognito adoption and also awards the mother an absolute right of veto against inspection of records, has adopted no legislative provisions whatsoever. The present work addresses the comparative law consideration of the reconcilability of anonymous birth with regard to the fundamental rights accorded under constitutional and international law, as well as laws defining family and civil status on a simple legal level. This, above all with respect to the possible contradiction of the right of the child to obtain knowledge concerning his/her own parentage, as opposed to the fundamental rights of the mother who gave birth to him/her anonymously, or gave him/her up, though also with regard to the position of the biological father.