Titelaufnahme

Titel
Die LGBT-Emanzipation in Serbien im Spannungsfeld zwischen EU-Annäherung und antiwestlichen Diskursen / vorgelegt von Nicole Navratil
Verfasser/ VerfasserinNavratil, Nicole
Begutachter / BegutachterinKaser, Karl
Erschienen2015
Umfang135 Bl. : Zsfassungen (2 Bl.)
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2015
Anmerkung
Zsfassungen in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (GND)Serbien / LGBT / Serbien / LGBT / Online-Ressource
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-86924 Persistent Identifier (URN)
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Die LGBT-Emanzipation in Serbien im Spannungsfeld zwischen EU-Annäherung und antiwestlichen Diskursen [0.88 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

LGBT in Serbien werden in allen Lebensbereichen diskriminiert, von Politiker_innen und kirchlichen Gruppen für eigene Zwecke instrumentalisiert und, wenn sie öffentlich auftreten, gewaltsam bekämpft. All das ist nur teilweise mit der jüngsten Kriegserfahrung und der fehlenden Aufarbeitung zu erklären und auch nicht allein mit der Retraditionalisierung und Renaissance der Religion aufgrund der postsozialistischen Transformation des Landes. Der Kern des Problems ist das Ringen um Identität des noch jungen Serbien. Die Lage der LGBT in Serbien hängt direkt mit dem allgemeinen Selbstverständnis des Landes als slawisch, orthodox und nicht-westlich oder alternativ dazu als aufstrebende Demokratie und EU-Aspiranten zusammen. Nationalistische Haltung und das damit verbundene traditionelle Geschlechtermodell und christliche Moralvorstellungen sind neben der Abgrenzung zum „Westen“ (der EU) durch Gegenüberstellung der jeweiligen „Kulturen“ und Ablehnung moderner oder demokratischer Werte die Mittel, die in Serbien derzeit zur nationalen Identitätskonstruktion herangezogen werden und die die Leere füllen, die sich seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Jugoslawien bzw. des Regimes Miloševićs aufgetan hat. LGBT sind das sicht- und greifbare Symbol für „westliche Kultur“, und auf ihrem Rücken entlädt sich der Konflikt zwischen pro- und antiwestlichen Kräften. Serbien steht dabei beispielhaft auch für die anderen, teilweise neu entstandenen Länder Südost- und Osteuropas, in denen die Identitätssuche entlang ähnlicher Linien verläuft.

Zusammenfassung (Englisch)

LGBT in Serbia are discriminated against in all areas of life, they are instrumentalised by politicians and clerical groups for their own purposes, and when they appear in public space they are fought with violence. The reason for this is only partially to be found in the recent experience of war and the reluctance of coming to terms with it. Nor can retraditionalisation or renaissance of the church, which often accompany postsocialist transformation, be blamed solely for these attitudes towards LGBT. The core of the problem is the struggle for identity of this young and newly configured nation. The situation of Serbia's LGBT is dirctly connected to the nation's self-concept as Slavic, Orthodox and non-Western on the one hand or alterna-tively, as a young democracy aspiring EU-accession on the other. Nationalistic attitudes and in connection a traditional gender model and Christian moral values are used to distance Serbia from the “West” (the EU) by contrasting them to modern and democratic values. Thus, Serbia's new identity is constructed against the “West” and thereby fills the void after the fall of Socialism and the Milošević regime. LGBT are the visible and tangible symbols of “Western culture” against which the conflict of pro- and anti-Western forces is released. Serbia stands as an example for the other, in parts newly formed states of Eastern and Southeastern Europe in which identity is constructed in similar ways.