Titelaufnahme

Titel
Radikale Kritik und das Theorie-Praxis-Dilemma / Tobias Brugger
Verfasser/ VerfasserinBrugger, Tobias
Begutachter / BegutachterinMoebius, Stephan
Erschienen2014
Umfang110 Bl. : Zsfassungen (1 Bl.)
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2014
Anmerkung
Zsfassungen in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (GND)Marx, Karl / Kapitalismus / Wertkritik / Marx, Karl / Kapitalismus / Wertkritik / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-80031 Persistent Identifier (URN)
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Radikale Kritik und das Theorie-Praxis-Dilemma [1 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

In der vorliegenden Arbeit wird eine Darstellung des Marxschen Begriffs der radikalen Kritik mit einer bestimmten Weiterentwicklung der Marxschen Theorie kontrastiert, die hier als „Linie Lukács-Adorno“ bezeichnet wird und die Neue Marx-Lektüre, die Wertkritik und den steigerungstheoretischen Ansatz von Hartmut Rosa einschließt. Während für die Marxsche radikale Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft der Anspruch auf revolutionäre Praxis und der Bezug auf ein soziales Subjekt der Veränderung charakteristisch sind, fällt die Linie Lukács-Adorno hinter die Intention einer auf die grundlegende Veränderung der realen kapitalistischen Verhältnisse zielenden praktischen Kritik zurück. Dies geschieht, indem die Marx'sche Theorie des Klassenkampfes einer entpolitisierten Thematisierung ökonomischer Mystifizierungen und Fetischismen weicht. Dadurch, dass der Klassenantagonismus nicht mehr als Kern des Kapitalverhältnisses wahrgenommen wird und Klassenkämpfe einen logischen Ausschluss aus der Theorie erfahren, dagegen die Annahme einer Herrschaft des Werts über alle Menschen und Klassen vertreten wird, erhält die Linie Lukács-Adorno affirmative Züge und wird ideologisch. Durch deren Abtrennung des Theorie-Praxis-Nexus ergibt sich das Theorie-Praxis-Dilemma, in dem eine auf der einen Seite vermeintlich radikale, realiter jedoch nur verbalradikale theoretische Kritik einer scheinbar zwangsweise reformistischen Praxis gegenübersteht, die keine systemtranszendierende Perspektive mehr hat. Dieses Dilemma lässt sich zwar nicht theoretisch auflösen; die Folgerung aus der Kritik der Linie Lukács-Adorno, die sich nicht mehr positiv auf Praxis zu beziehen weiß, lautet jedoch, dass sich radikale Kritik selbst als intervenierende Praxis verstehen muss, die Anschluss an die realen sozialen Bewegungen sucht und die Subjekte, die sich in Auseinandersetzungen befinden, ernst nimmt, anstatt ihnen vorzuwerfen, die fetischisierten sozialen Verhältnisse nicht zu durchschauen.

Zusammenfassung (Englisch)

In this master thesis a representation of the Marxian concept of radical critique is contrasted with a certain further development of Marx theory, referred to herein as "Linie Lukács-Adorno", which includes the Neue Marx-Lektüre , the Wertkritik and the approach of Hartmut Rosa. While the claim to revolutionary practice and the reference to a social subject of change are characteristic of Marx's radical critique of bourgeois capitalist society, the Linie Lukács-Adorno, as shown in this work, falls back behind the intention of a practical criticism aiming at a fundamental change in the real capitalist conditions. This is done by giving up Marx' theory of class struggle in favour of a depoliticized thematisation of economic mystifications and fetishisms. As class antagonism is no longer perceived as being the core of the capital relationship and is substituted by assuming a domination of value over all people and classes, the Linie Lukács-Adorno receives affirmative features and becomes ideological. The separation of the theory-practice nexus in the Linie Lukács-Adorno results in the theory-practice dilemma that confronts on the one hand supposedly radical, but in reality only verbally radical theoretical critique with a seemingly forced reformist practice which has no more system transcending perspective. This dilemma can indeed not be resolved theoretically, but the consequence of the criticism of the Linie Lukács-Adorno, which no longer knows how to positively relate to practice, is that radical critique must understand itself as an intervening practice and seek to connect with real social movements and take the subjects in conflict seriously, rather than blaming them not to see through the fetishized social relations.