Titelaufnahme

Titel
Anachronistische Ideale? : der Status der Mathematik in Lyotards Theorie der Postmoderne / vorgelegt von Andreas Kucher
Verfasser/ VerfasserinKucher, Andreas
Begutachter / BegutachterinDe Angelis, Simone
Erschienen2015
Umfang92 Bl. : Zsfassungen (2 Bl.) ; Ill., graph. Darst.
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2015
Anmerkung
Zsfassungen in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Lyotard, Jean-François / Postmoderne / Mathematik / Lyotard, Jean-François / Postmoderne / Mathematik / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-80024 Persistent Identifier (URN)
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Zusammenfassung (Deutsch)

Motiviert durch Auseinandersetzungen innerhalb der science wars in den 1990-er Jahren, widmet sich diese Arbeit dem Status der Mathematik in der Postmoderne. Jean-Francois Lyotard charakterisiert in der Studie La Condition postmoderne das postmoderne Wissen und verfasst damit indirekt eine Charakterisierung der Postmoderne. Er lehnt eine Legitimation des postmodernen Wissens durch den Determinismus ab und greift bei seinen Argumenten auf Resultate aus der Mathematik zurück. Zunächst wird geklärt, ob sich Lyotard als Relativist positioniert. Anschließend werden seine den Determinismus delegitimierende Beispiele aus Mathematik und Physik diskutiert. Dies gibt erste Hinweise darauf, ob postmodernes Gedankengut in die Mathematik eindringen kann. Danach werden Ansätze für eine postmoderne Mathematik untersucht und es soll geklärt werden, ob diese innerhalb der Mathematik anwendbar sind. In einem letzten Schritt erfolgt eine erneute Hinwendung zu Lyotard. Falls es keine Postmoderne in der Mathematik als Wissenschaft gibt, so möglicherweise einen Wandel im Umgang mit der Mathematik in der von Lyotard beschriebenen postmodernen Gesellschaft. Am Beispiel des österreichischen Lehrplanes für Mathematik wird untersucht, ob der Umgang mit dem mathematischen Wissen in der Schule und somit indirekt in der Gesellschaft, ähnlich zu dem durch Lyotard vorhergesagten Umgang mit dem postmodernen Wissen ist. Im Ergebnis wird deutlich, dass Lyotard weder als extremer Relativist angesehen werden kann noch dass seine Beispiele einer Prüfung standhalten können. Ansätze für eine postmoderne Mathematik haben keine innermathematischen Implikationen und bewegen sich, wie auch die Forschung zur Postmoderne in der Mathematik, auf zur Mathematik nebenläufigen Ebenen. Bei dem in Österreich implementierten kompetenzorientierten Unterricht weist der Umgang mit dem mathematischen Wissen nennenswerte Parallelen zu dem von Lyotard beschrieben Umgang mit dem postmodernen Wissen auf.

Zusammenfassung (Englisch)

Our work is dedicated to the status of mathematics within the postmodern era and motivated by harsh disputes within the science wars of the 1990s. Jean-Francois Lyotard characterizes a postmodern knowledge by means of the study La Condition postmoderne. Thereby he indirectly gives a characterization of the postmodern era itself. Lyotard rejects a legitimization of postmodern knowledge by determinism and reverts to results from modern mathematics and physics for his arguments. In a first step we examine whether Lyotard may be considered a relativist and we discuss his list of results from mathematics, as they are supposed to delegitimize determinism. This may indicate whether postmodern ideas may penetrate mathematics as science. Then we examine approaches for postmodern mathematics and we clarify if they are applicable to mathematics as science. In a last step we approach Lyotard once more. If there is no actual postmodern mathematics, then perhaps a change in dealing with mathematics in Lyotard's postmodern society may be observed. By means of the Austrian curriculum for mathematics education we examine potential similarities between the interaction with mathematical knowledge in school, and hence in society, and Lyotard's prognosis for the interaction with postmodern knowledge. We can show that Lyotard may not be considered an extreme relativist and that his examples of delegitimization do not hold within mathematics. Approaches for postmodern mathematics do not have implications within the mathematical framework, but they may be considered concurrent to mathematics as science. The interaction with mathematical knowledge in the Austrian competence-orientated education model shows nameable analogies to the interaction with the postmodern knowledge.