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Titel
Individualethik des Rechts : ein evangelisch-katholischer Vergleich anhand ausgewählter Ansätze / Peter Schipka
Verfasser/ VerfasserinSchipka, Peter
Begutachter / BegutachterinSchaupp, Walter ; Neuhold, Leopold
Erschienen2014
Umfang255 Bl.
HochschulschriftGraz, Univ., Diss., 2014
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (GND)Katholische Theologie / Evangelische Theologie / Rechtsethik / Naturrecht <Motiv> / Rechtspositivismus / Individualethik
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-78599 Persistent Identifier (URN)
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Individualethik des Rechts [1.94 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

In dieser Dissertation wird die Stellung des Rechtssubjekts in paradigmatischen theologischen Konzepten der Rechtsethik evangelischer und katholischer Prägung der vergangenen zwanzig Jahre untersucht und verglichen. Gemeinsam ist den Ansätzen der Versuch, eine Rechtsethik zu entwerfen, die mit der Pluralität moralischer Überzeugungen innerhalb eines weltanschaulich neutralen Staates sensibel umgeht. Konfessionelle Unterschiede finden sich insbesondere in der Rechtsbegründung. Während katholische Ansätze naturrechtlich geprägt sind, stehen evangelische Konzepte dem Rechtspositivismus nahe. Die Zwei-Reiche-Lehre Martin Luthers und die reformatorische Rechtfertigungslehre bilden dafür den theologischen Hintergrund. Leitend ist in dieser Untersuchung eine individualethische Perspektive. Auch hier ist ein konfessioneller Unterschied festzustellen. Evangelische Autoren betrachten das Subjekt nämlich vorwiegend als Rechtsunterworfenen. Sie gehen daher von der Pflicht zur Loyalität dem Recht gegenüber aus und fragen gegebenenfalls nach den Voraussetzungen legitimen Widerstands. Katholische Autoren suchen hingegen nach den Voraussetzungen für die richtige Gestaltung des Rechts durch das Subjekt und stellen sowohl implizit als auch explizit dessen Mitverantwortung für die Rechtsentwicklung in den Mittelpunkt. Mit den beiden konfessionell bedingten Schwerpunkten ist jedoch nicht notwendigerweise die Formulierung eines Gegensatzes verbunden. Vielmehr sind alle angeführten Verhaltensweisen (Loyalität, Mitverantwortung, Widerstand) für eine Rechtsethik aus individualethischer Sicht bedeutsam. Daher wird die These formuliert, dass es auch innerhalb der Rechtsethik einen differenzierten Konsens geben kann. Damit wird die im Zusammenhang mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 entstandene Figur ökumenischer Verständigung weitergeführt.

Zusammenfassung (Englisch)

This doctoral thesis examines and compares the positions of legal subjects in paradigmatic protestant and catholic theological concepts of legal ethics of the last twenty years. All of the approaches have in common that they try to outline a system of legal ethics which treats the plurality of ethical convictions within an ideologically neutral state sensitively. Denominational differences can be particularly found concerning legal foundation. The catholic approaches are informed by jusnaturalistic thinking, whereas protestant approaches are close to legal positivism, Martin Luthers two kingdoms doctrine and the protestant doctrine of justification being the theological background. The guiding perspective in this analysis is one of individual ethics, leading to another denominational difference. For the protestant authors, a legal subject is primarily subjected to law. They tend to see each subject obliged to be faithful to the law and ask, if necessary, for the prerequisites of legitimate resistance. Catholic authors, on the other hand, ask for the prerequisites for the proper shaping of the law by the subject and therefore emphasize the subject's responsibility for legal development both implicitly and explicitly. These two differences, which are based on different denominational focuses, do not necessarily make the concepts contradictory. Rather, all the discussed behaviors (loyalty, shared responsibility, resistance) are significant from the individual's perspective of legal ethics. This leads me to formulating the proposition that a differentiated consensus within legal ethics is possible, which is a continuation of ecumenical convergence as designed in context with the Joint Declaration concerning the Doctrine of Justification in 1999.