Titelaufnahme

Titel
DolmetscherInnen (de)maskiert : Dolmetschen in Kriegsgefangenenlagern der Sowjetunion / vorgelegt von Viktor Milosevic
Verfasser/ VerfasserinMilosevic, Viktor
Begutachter / BegutachterinWolf, Michaela
Erschienen2014
Umfang136 Bl. : Zsfassungen (2 Bl.) + CD-ROM
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2014
Anmerkung
Zsfassung in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (GND)Sowjetunion / Kriegsgefangenenlager / Dolmetscher / Soziale Rolle / Berufsethik / Moral / Sowjetunion / Kriegsgefangenenlager / Dolmetscher / Soziale Rolle / Berufsethik / Moral / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-68621 Persistent Identifier (URN)
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DolmetscherInnen (de)maskiert [1.68 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

DolmetscherInnen in Kriegsgefangenenlager (KGL) der Sowjetunion stellen einen Bereich in der Translationswissenschaft dar, in dem bis heute nur sehr wenig geforscht wurde. Deshalb ist diese Masterarbeit vorrangig den verschiedenen Rollen der DolmetscherInnen in KGL der UdSSR gewidmet. Dabei wird folgenden Fragen nachgegangen: Wer waren die DolmetscherInnen in KGL der UdSSR? Welche Rollen hatten diese während einer Dolmetschung? Konnten DolmetscherInnen in KGL der UdSSR mehr als nur eine Rolle gleichzeitig einnehmen? Inwieweit prägten sie dadurch den Lageralltag von Kriegsgefangenen mit?Es wird auf Basis von Memoiren ehemaliger deutscher und österreichischer Wehrmachtssoldaten von der Hypothese ausgegangen, dass DolmetscherInnen in sowjetischen KGL nicht nur SprachmittlerInnen waren, sondern auch aktive dritte Gesprächsparteien, die durch bewusstes oder unbewusstes Denunzieren oder Kompromittieren den Gesprächsverlauf und -ausgang maßgeblich beeinflussen und so das Alltagsleben der Gefangenen aktiv mitprägten. Zudem wird noch davon ausgegangen, dass sie mehrere Rollen gleichzeitig annehmen und zwischen diesen wechseln konnten.Der erste Teil der Arbeit behandelt den historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und des sowjetischen Lagersystems. Daraufhin werden die Hierarchie, der Alltag und das System in sowjetischen KGL beschrieben. Im zweiten Teil der Arbeit werden ausgewählte Memoiren präsentiert und analysiert, wobei die Analyse mittels Erving Goffmans Konzept von sozialer Interaktion durchgeführt wurde.Die Analyse von 27 Textstellen bestätigte die Hypothese und ergab, dass es zwei DolmetscherInnengruppen gab: vom Lagerpersonal angestellte, zu denen auch Frauen gehörten, und aus den Reihen der Häftlinge rekrutierte DolmetscherInnen. Diese konnten während den Dolmetschungen meist mehrere Rollen annehmen und aus diesen auch "fallen": Man sah sie entweder als DenunziantInnen und VerräterInnen, oder HelferInnen und BeschützerInnen an.

Zusammenfassung (Englisch)

In modern translation studies, interpreters in Soviet prisoner of war (POW) camps are an under-researched issue. This Master?s thesis shall therefore shed light on the roles of interpreters in POW camps and discuss the following questions: Who acted as interpreter in Soviet POW camps? What roles did interpreters in POW camps have? Did interpreters take on more than just one role at the same time? In what way did interpreters shape everyday life in POW camps?Based on seven memoirs of former German and Austrian POW, it is assumed that interpreters in Soviet POW camps were more than "just" language mediators and were perceived as active interlocutors who could ? by willingly or unwillingly denouncing and compromising a conversation ? manipulate the course and outcome of a communicative event. Moreover, it is assumed that interpreters, by taking on different roles at the same time, had a great impact on the prisoners? everyday camp life.The first part of the thesis examines the historical aspects of World War II and the Soviet camp system, on the one hand, and the hierarchy as well as the system and everyday life in the POW camps, on the other. In the second part of the thesis, 27 passages taken from a corpora consisting of seven memoirs of former German and Austrian POW were analysed by adopting Erving Goffman?s concept of social interaction.The results of the analysis confirm both aspects of the above-mentioned hypothesis, as they show that, firstly, in Soviet POW camps there were two groups of interpreters: interpreters in service ? including men and women working in POW camps ? and POW who acted as ad hoc recruited interpreters. Secondly, both groups of interpreters could take on the roles of informers, traitors, helpers or protectors and thereby considerably shaped everyday life in Soviet POW camps.