Titelaufnahme

Titel
Die thronende Madonna mit stehendem Kind / vorgelegt von Veronika Drescher
Verfasser/ VerfasserinDrescher, Veronika
Begutachter / BegutachterinLein, Edgar
Erschienen2014
Umfang122 Bl. : Zsfassung (2 Bl.) + CD-ROM ; Ill., Kt.
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2014
Anmerkung
Zsfassung in dt. u. engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Thronende Madonna / Ikonographie / Thronende Madonna / Ikonographie / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-59909 Persistent Identifier (URN)
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Die thronende Madonna mit stehendem Kind [25.03 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Um die Mitte des 13. Jahrhunderts beginnt sich von Nordfrankreich ein neuer ikonographischer Typus auszubreiten. Die thronende Madonna wird nicht mehr, wie bis dahin üblich, mit einem sitzenden, sondern einem auf ihren Knien stehenden Kind abgebildet. Den Fragen, wann, wo und weshalb diese Änderung stattfand, soll hier nachgegangen werden. Das erste Werk mit Stehmotiv des Knaben findet sich am, um 1165 gefertigten, Aachener Barbarossaleuchter. Durch seine Aufnahme in den Motivkanon der nordfranzösischen Elfenbeinschnitzer erfuhr der Typus einen starke Verbreitung. Die Darstellung wurde nach ganz Europa exportiert, findet sich speziell in Frankreich, Deutschland und Italien, mit einer hohen Konzentration an Arbeiten in Nordfrankreich sowie dem Gebiet um Köln und entlang des Rheins. Alle Szenen, welche bis dahin am Schoß der Mutter sitzende Kinder beinhalten, werden ab den 1250er Jahren bis um 1400 häufig mit stehenden Knaben abgebildet. Dies betrifft autonome thronende Madonnen, Maria und Christus in der Anbetungsszene oder dem Sturz der Götzen, sowie Darstellungen der Jungfrau als Sedes Sapientiae. Was Künstler und Auftraggeber veranlasste, diese Änderung in ein bereits seit Jahrhunderten bestehendes Motiv einzuführen, ist noch unklar. Keine der vorgeschlagenen literarischen Quellen ? wie die Apokryphen, die Schriften des Epiphanius und Theophylactus de Achrida, die Marienhomilien des Amadeus von Lausanne, die Revelationes der Birgitta von Schweden oder die Drei-Königs-Spiele ? noch der künstlerischen Vorbilder ? das byzantinische schreitende Kind, Darstellungen der Darbringung im Tempel mit stehendem Kind oder der Beau-Dieu der Trumeau-Pfeiler ? überzeugt völlig. Auch die theologische Konnotation des Standmotivs ist offen. Bisher stehen zwei Vorschläge zur Diskussion: das stehende Kind als eucharistisches Motiv oder als Hinweis auf Christus Salvator. Wahrscheinlich ist jedoch eine sichere Deutung des Motivs erst nach der Lösung der Quellenfrage möglich.

Zusammenfassung (Englisch)

Around the middle of the 13th century, a new iconographic type starts to spread from northern France. The enthroned Virgin is no longer depicted with a seated, but rather a standing on her knees. The aim of this thesis is to answer to the questions when, where and why this change took place. The Barbarossa chandelier of Aachen, crafted around 1165, shows the first depiction of a standing child. When the French ivory sculptors made the type one of their favorites, its popularity increased. Works with this motif were exported throughout Europe, with many examples found in France, Germany and Italy, especially northern France and the area around Cologne and along the river Rhine. Between 1250 and 1400, all scenes previously featuring an enthroned Virgin with a seated child are, illustrated with a standing boy. This change is noticeable in individual depictions of the enthroned Madonna, in scenes of the Adoration of the Magi and the Miracle of the Idol as well as in works that show Mary as Sedes Sapientiae. The reason why artists and buyers started to change a motif that had existed for several hundred years is not yet clear. None of the literary sources ? such as the Apocrypha, the writings of Epiphanius of Salamis and Theophylactus de Achrida, the sermons about Mary by Amadeus of Lausanne, the Revelationes by Bridget of Sweden and the liturgical plays of the Three Magi ? are truly convincing; neither are any of the artworks proposed as models ? such as the Byzantine striding child, the standing children in the Presentation of Jesus at the Temple and the Beau-Dieu of the gothic trumeau. Religious connotations are also open for discussion. Until now there are two propositions for the meaning of the new motif, one sees the standing child as a Eucharist symbol, the other as a reference to Christus Salvator. Most probably however, a definite interpretation can only be given after having found the source for the change itself.