Titelaufnahme

Titel
Die hölzerne Stadt : das Barackenlager Gmünd 1914-1918 / eingereicht von Mag. Martina Viktoria Hermann
Weitere Titel
A city of wood : barrack camp Gmünd 1914-1918
Verfasser/ VerfasserinHermann, Martina Viktoria
Begutachter / BegutachterinKarner, Stefan ; Teibenbacher, Peter
ErschienenGraz, 2017
Umfang300 Blätter : Zusammenfassungen (2 Blätter) ; Illustrationen
HochschulschriftKarl-Franzens-Universität Graz, Dissertation, 2017
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung des Verfassers/der Verfasserin
Zusammenfassungen in Deutsch und Englisch
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (GND)Gmünd <Niederösterreich> / Lager / Flüchtling / Lebensbedingungen / Geschichte 1914-1918
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-122149 Persistent Identifier (URN)
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Die hölzerne Stadt [22.36 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Im Barackenlager Gmünd, der größten Sammelniederlassung für Flüchtlinge und Evakuierte in der österreichischen Reichshälfte während des Ersten Weltkrieges, waren von 1914 bis 1918 vor allem ruthenische Staatsbürger der Monarchie untergebracht. Neben Flüchtlingen wohnten im Lager auch Personen, die von der k.u.k. Armee aufgrund pauschal angenommener politischer Unzuverlässigkeit evakuiert worden waren. Diese vermutete Unzuverlässigkeit der ruthenischen Volksgruppe prägte auch den staatlichen und gesellschaftlichen Zugang zum Thema „Flüchtlinge“ in Cisleithanien während des Ersten Weltkrieges. Die Lebensbedingungen im Lager Gmünd waren durch eine dramatisch schlechte Ernährungslage, unzureichenden Unterkünfte sowie ungenügende hygienische und sanitäre Vorkehrungen charakterisiert. Die Wahrnehmung und Darstellung der Lebenssituation der Lagerinsassen im zeitgenössischen Kontext divergierte allerdings deutlich von der Realität. Für den cisleithanischen Staat erfüllten Lager wie Gmünd neben der Unterbringung der „Flüchtlinge“ auch wirtschaftliche und lenkungspolitische Aufgaben. Sie zentrierten die „Arbeitsressourcen“ im kriegswirtschaftlichen System und dienten dem Staat als Laboratorien der Gesellschaftsentwicklung, in denen die als rückständig konnotierten Staatsbürger vom Rand der Monarchie im Kontext der staatlichen „Kulturpolitik“ geformt wurden. Die Kriegspropaganda stilisierte Gmünd - unter Verheimlichung der tatsächlichen Lebensumstände der Insassen - zudem als Musterlager, das den Erfolg der staatlichen Flüchtlingsfürsorge durch Betonung der Zweckmäßigkeit und Modernität der Organisation und Anlagen veranschaulichen sollte. Ungeachtet der positiven wirtschaftlichen Effekte des Lagers auf das Gmünder Umland, war auch die Herangehensweise der einheimischen Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen durch Stereotypen und Ängste wie Überfremdung, Ressourcenverknappung und Seuchengefahr beeinflusst.

Zusammenfassung (Englisch)

The barrack camp of Gmünd in Lower Austria was the largest camp for refugees and evacuees on Austrian soil during the First World War. From 1914 to 1918 it accommodated predominantly Ruthenian citizens of the Habsburg monarchy. Gmünd not only housed refugees, but also evacuees who had been deported by the Austrian Hungarian army because of suspected political unreliability. The Ruthenian population, whose language shared similarities with Russian, was especially suspected of being “russophile”. This generalized stereotype of political unreliability also influenced the state and public perception of the refugee phenomenon during the war. The living situation of the camp inmates was characterized by inadequate nourishment, bad housing and insufficient sanitary and medicinal provisions. Contemporary perceptions and portrayal of camp life, however, starkly contrasted with the actual living conditions. For the Cisleithanian state, the camps also served as labour reservoirs for the war economy as well as laboratories for social engineering. Gmünd was designed to “re-educate” a part of the Austrian population that was deemed backward and uncivilized. Negating the dire living conditions in Gmünd, war propaganda moreover instrumentalized Gmünd as a showcase camp, illustrating the states successful refugee relief policies through a portrayal of the modernity and efficiacity of the camps organisation and infrastructure. Although the camps proved economically beneficial for the region, the populations perception of the refugees was heavily influenced by fears of foreign influence, disease and the scarcity of resources in war economy.

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