Titelaufnahme

Titel
"Il me demandait de déroger à toutes les règles de ma profession." : Dolmetschen in Claude Lanzmanns Film 'Shoah' / vorgelegt von Marion Glawogger
Verfasser/ VerfasserinGlawogger, Marion
Begutachter / BegutachterinWolf Michaela
Erschienen2013
Umfang120 S. : Zsfassung + 1 CD-ROM
HochschulschriftGraz, Univ., Masterarb., 2013
Anmerkung
Zsfassung in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (GND) Shoah <Film> / Dolmetschen / Shoah <Film> / Dolmetschen / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-56779 Persistent Identifier (URN)
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"Il me demandait de déroger à toutes les règles de ma profession." [0.78 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

In der vorliegenden Arbeit werden die Funktion der Dolmetschung sowie die Rolle der Dolmetscherinnen in Claude Lanzmanns Dokumentarfilm "Shoah" untersucht. Es wird von der Hypothese ausgegangen, dass die Dolmetschung einen integralen Bestandteil von Lanzmanns Dramaturgie bildet. Die drei Dolmetscherinnen Apfelbaum, Kaufmann und Janicka, die im Film hör- und mitunter sogar sichtbar sind, werden in Szene gesetzt. Sie finden sich in einer emotionalen Grenzsituation wieder und müssen als erste Empfängerinnen der Zeitzeugnisse einen neuen Zugang zu ihrer Tätigkeit finden. Der Film schafft ein außergewöhnliches Dolmetschsetting, in dem der Eindruck von Unmittelbarkeit zum obersten Kriterium der Dolmetschung wird.Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Film als Dolmetschsetting bestätigt, dass die Dolmetschung zum dramaturgischen Stilmittel und zum Symbol für die Unzugänglichkeit der Zeitzeugnisse wird. Die Dolmetscherinnen werden dabei zu Schauspielerinnen. Deren Zugang zu ihrer Dolmetschtätigkeit in diesem außergewöhnlichen Setting wird mit Hilfe eines auf Wadensjös "Interpreting as Interaction" basierenden Kriterien-Kataloges untersucht. Als Leitgedanke dient hierbei das in der vorliegenden Arbeit definierte Ideal von Neutralität und Unsichtbarkeit.Die Analyse verdeutlicht, dass es sich um zwei verschiedene Ausformungen desselben Dolmetschsettings handelt, aus denen unterschiedliche Rollenverständnisse der Dolmetscherinnen resultieren: Apfelbaum und Kaufmann nehmen ihre Rollen als Vermittlerinnen und Koordinatorinnen weniger stark wahr. Ihre Dolmetschungen nähern sich dem Ideal an und erscheinen zugleich unmittelbarer. Janicka hingegen tritt verstärkt als Vermittlerin und Koordinatorin auf. Als Dolmetscherin ist sie weniger neutral und sichtbarer und der Eindruck der Unmittelbarkeit ist getrübt. Allen drei Dolmetscherinnen ist letztlich eine starke Distanzierung von dem Erzählten in dieser emotionalen Grenzsituation gemein.

Zusammenfassung (Englisch)

This master thesis deals with the function of interpreting and the role of the interpreters in Claude Lanzmann?s documentary film "Shoah". The thesis is based on the hypothesis that interpreting becomes fundamental for the dramatic composition of the film. The three female interpreters Apfelbaum, Kaufmann and Janicka, who can be heard or seen in the movie, are staged and placed in an emotional borderline situation. They become the first addressees of the testimonies and have to find a new way of dealing with their task as interpreters. It is assumed that the film creates an unusual setting for interpreting in which the claim for immediacy becomes the decisive criteria for interpreting.The methodologically driven discussion on the movie as a setting for interpreting confirms the hypothesis: Interpreting becomes a stylistic device in the composition of the film. It is used as a symbol for the inaccessibility of the testimonies and the interpreters turn out to be actresses, voluntarily or not. To analyse how the three women deal with the unusual scenario they interpret in, the author develops a set of criteria based on Wadensjö?s approaches developed in "Interpreting as Interaction". As reference point for the analysis the author defines an ideal of interpreting based on neutrality and invisibility.The analysis clarifies that the film covers two versions of the same setting for interpreting which determine different role perceptions of the interpreters: Apfelbaum and Kaufmann appear less clearly in their roles of intermediaries and coordinators. Their interpreting approaches to the aforesaid ideal and it seems more immediate. Janicka, however, acts to a greater extent as intermediary and coordinator. As interpreter she is less neutral and more visible and her interpreting counteracts the claim for immediacy. Ultimately all three of them have in common a pronounced distance from the testimonies in the context of this emotional borderline situation.