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Title
Wehrmachtsdolmetscher im Spiegel. Dolmetschen für die Wehrmacht in Frankreich und Italien.
Additional Titles
Wehrmachts Interpreters in the Mirror. Interpreting for the Wehrmacht in France and Italy
AuthorFloris, Alba
CensorKujamäki, Pekka
PublishedGraz, 2017
Institutional NoteKarl-Franzens-Universität Graz, Masterarbeit, 2017
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Arbeit an der Bibliothek noch nicht eingelangt - Daten nicht geprüft
Abweichender Titel laut Übersetzung des Verfassers/der Verfasserin
Document typeMaster Thesis
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-120024 Persistent Identifier (URN)
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Wehrmachtsdolmetscher im Spiegel. Dolmetschen für die Wehrmacht in Frankreich und Italien. [1.58 mb]
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Abstract (German)

In dieser Masterarbeit wurden das Kriegstagebuch von Frank Van Heugen, einem deutschen Sonderführer, der in Frankreich stationiert war und die Autobiographie von Ezio Berti, einem italienischen Polizisten, der in Italien als Dolmetscher für die Wehrmacht tätig war, analysiert, um damit das Setting Wehrmachtdolmetschen zu skizzieren. Die Arbeit verfolgt die Prinzipien der mikrogeschichtlichen Vorgehensweise.Das Tagebuch und die Autobiographie werden durch eine qualitative Inhaltsanalyse mithilfe von drei induktiven Kategorien untersucht: formale und sprachliche Aspekte, inhaltliche Aspekte sowie Schreibmotivation und Funktion. Diese drei Kategorien sollen die Beantwortung zweier Forschungsfragestellungen, die Fragen nach der Beziehung zur Macht und dem jeweiligen Setting von Berti und Van Heugen, ermöglichen.Aus der Analyse der zwei Ego-Dokumente kann man folgendes feststellen: Da Van Heugen sich von der NS-Dolmetscherausbildung nicht hatte beeinflussen lassen, wurde das Dolmetschersetting für ihn sehr angespannt. Der Dolmetscher war ein NS-Gegner und dolmetschte bewusst falsch, um FranzösInnen und JüdInnen zu retten. Er hatte Angst, entdeckt zu werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Dolmetschersetting Van Heugens aufgrund seiner Position alles andere als einfach war. In der Zeit, in der die Italiener und die Deutschen noch Waffenbrüder waren, kann das Setting von Berti wegen des allgemein vorherrschenden Misstrauens zwar als angespannt betrachtet werden, es war aber dennoch sicherlich angenehmer als in Frankreich, da es sich um kein besetztes, sondern ein verbündetes Land handelte. Da Berti aufgrund seiner positiven Haltung gegenüber der NS-faschistischen Macht die Kooperation zwischen den zwei Ländern förderte, war die Lage für ihn relativ unproblematisch. Nach dem Waffenstillstand musste aber Berti plötzlich zwischen zwei Feinden vermitteln. In dieser zweiten Phase wurde also auch für Berti die Situation ziemlich angespannt. Als er dann in die Wehrmacht einberufen wurde, wurde die Lage für ihn sogar lebensbedrohlich. Denn ab diesem Zeitpunkt musste er zwischen den Widerständlern und seinem Major dolmetschen. Zusammengefasst kann man also sagen, dass auch bei Berti die Haltung gegenüber der Macht das Setting stark beeinflusste.

Abstract (English)

The following account is drawn from the war diary of Frank Van Heugen, a German Sonderführer stationed in France, and the autobiography of Ezio Berti, an Italian policeman working primarily in Naples as an interpreter for the German troops. The thesis sketches the general setting of Wehrmachts interpreters using a microhistorical approach. Both the diary and autobiography are analysed with a qualitative content analysis through three inductive categories: “formal and language aspects,” “content aspects,” and “writing motivation and functions”. These categories frame the two interpreters in relation to the authority and the specific settings. The analysis of these two ego-documents allows the following conclusions. Because Van Heugen did not allow himself to be influenced by the Nazi propaganda during his training, the setting soon became very tense for him. Van Heugen was a Nazi opponent and often intentionally interpreted things incorrectly in order to save peoples lives and, consequently, run the risk of being identified as a resistance supporter. In conclusion, it is fair to say that Van Heugens interpretational setting was framed by his opposition to the authority. When Germans and Italians were still brothers in arms, Ezio Bertis setting was, though not tension-free, altogether not as precarious as it was in France. During the first war phase, the foreign troops were located in a friendly nation, not in an occupied country. As Berti appreciated the fascist-Nazi authority, he strongly supported cooperation between the two countries by providing interpreting between the two authorities. After the armistice, tables turned: In this second phase, Bertis interpreting was constrained by new tensions, as the Germans viewed the Italians as “traitors” and Berti was required to interpret between the two enemies. After his conscription from the German troops, the situation escalated even further as he had to interpret between the resistance fighters and his Major. His daily routine became life-threatening, partially because Italians (not entirely wrong) saw him as a member of the German troops. All in all, Bertis interpreting was influenced not only by his setting, but also by his attitude towards the authority.