Titelaufnahme

Titel
"Betrügerische" Online-Ticketbestellungen - § 148a StGB? / eingereicht von Karin Hauder
Verfasser/ VerfasserinHauder, Karin
Begutachter / BegutachterinLambauer Heimo
Erschienen2013
UmfangV, 58 Bl. : Zsfassung
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Österreich / Electronic Commerce / Datenmissbrauch / Recht / Österreich / Electronic Commerce / Datenmissbrauch / Recht / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-49459 Persistent Identifier (URN)
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"Betrügerische" Online-Ticketbestellungen - § 148a StGB? [0.52 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Entscheidung des OGH 13 Os 61/11m vom 14.7.2011 stieß auf heftige Kritik. Sachverhalt dieser Entscheidung war eine Frau, welche Online-Tickets über die Internetplattform der ÖBB bestellte und dabei fremde Kontodaten verwendete. Da im Zuge des bei der Bestellung stattfindenden Lastschriftverfahrens nur die Existenz der Kontodaten, nicht aber die Identität des Bestellers geprüft wird, bekam die Täterin die Tickets, welche sie in weiterer Folge auch verwendete, ausgefolgt. Der OGH machte die Anwendung der Straftatbestände vom Zeitpunkt des Schadenseintritts abhängig. Dieser sei an die Wertträgereigenschaft der Online-Tickets gebunden. Bei der gesamten Beurteilung ging er dabei von einem alleinigen Schaden bei der ÖBB aus. Die Kritik K. Schwaighofers bezieht sich darauf, dass der Schaden nicht bei der ÖBB, sondern bei den Inhabern der missbrauchten Konten eingetreten sei, unabhängig von der Wertträgereigenschaft der Tickets. Durch das Vergehen sei außerdem der Tatbestand des § 148a StGB verwirklicht. Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der OGH-Entscheidung, allen in Frage kommenden Tatbeständen und allen Streitpunkten ist im Ergebnis die Meinung K. Schwaighofers zu teilen. Während alle anderen Tatbestände ausgeschlossen werden können, sind bei § 148a StGB alle Tatbestandsmerkmale erfüllt: Auch die Eingabe richtiger Daten kann eine Beeinflussung iSd § 148a StGB darstellen. Der Schaden tritt, entgegen der Meinung des OGH, nicht bei der ÖBB sondern bei den Kontoinhabern ein. Weder die Wertträgereigenschaft der Tickets noch eine veranlasste Rückbuchung ändert daran etwas, dass der Schaden schon mit dem durch die Bestellung in die Wege geleiteten Abbuchungsvorgang eintritt, wodurch das Delikt vollendet ist. Die Bestellung von Online-Tickets unter Verwendung falscher Kontodaten ist daher dem Delikt des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs zu unterstellen. Der Gebrauch der Tickets stellt eine straflose Nachtat dar.

Zusammenfassung (Englisch)

The OGH decision of 14 July, 2011, 13 Os 61/11m, evoked fierce criticism. The case is about a woman, who ordered online-tickets via the ÖBB?s internet platform and therefor used different account numbers without authority. Since in the course of the direct debiting scheme only the existence of the account information, but not the identity of the customer is checked, the woman received the tickets and used them later on. According to the OGH, the application of offences depends on when the damage occurs. This, in turn, is tied to whether the online-tickets have a value of the property or not. The entire legal assessment of the OGH is based on the assumption, that the ÖBB is the sole injured. K. Schwaighofer?s criticism refers to the fact, that not the ÖBB, but the account holders are injured, regardless of the online-ticket?s value of the property. Furthermore, the action fulfils the legal elements of § 148a StGB. As a result of a detailed discussion of the decision, of all possible matters of fact and of all the points of contention, K. Schwaighofer?s view has to be shared. While all the other corpus delicti can be eliminated, in § 148a StGB all the criteria are met: The act of entering correct data can be a manipulation as defined by § 148a StGB. The injured are ? notwithstanding the opinion of the OGH ? the account holders, not the ÖBB. Neither the online tickets? character of a value of the property nor an initiated chargeback changes the fact, that the damage occurs with the debit entry and the offence is accomplished at that time. Therefore, using account numbers without authority to order online-tickets constitutes the offence of fraudulent misuse of data processing. The subsequent use of the tickets remains unpunished.