Titelaufnahme

Titel
Soziogenese und Psychogenese der politischen Kultur Kärntens / Christian Dorner-Hörig
Verfasser/ VerfasserinDorner-Hörig, Christian Andreas
Begutachter / BegutachterinKuzmics, Helmut ; Angermann-Mozetic, Gerald
Erschienen2012
Umfang286 Bl. : 2 Zsfassungen
HochschulschriftGraz, Univ., Diss., 2012
Anmerkung
Zsfassung in dt. und in engl. Sprache
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (GND)Kärnten / Soziogenese / Entwicklungspsychologie / Kärnten / Soziogenese / Entwicklungspsychologie / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-43843 Persistent Identifier (URN)
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Soziogenese und Psychogenese der politischen Kultur Kärntens [1.77 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Kärnten wird in der sozialwissenschaftlichen Literatur als ?Sonderfall? der österreichischen Zeitgeschichte beschrieben; der Volksgruppenkonflikt zwischen der slowenischsprachigen Minderheit und der deutschsprachigen Mehrheit, der in Österreich bislang einmalige politische Erfolg des ?Dritten Lagers? und eine politische Kultur, die mit Korruptionsskandalen, Ausgrenzung von Fremden und Diffamierung in Zusammenhang gebracht wird, kennzeichnen dieses Land. Die vorliegende Arbeit möchte der Frage nachgehen, welche Besonderheiten der historischen Soziogenese und Psychogenese Kärntens zum einen die Konfliktsituation zwischen den beiden Sprachgruppen hervorgebracht haben und welche Bedeutung diese Prozesse zum anderen für die politische Kultur des Landes noch heute haben. Dabei stellt sich die Soziogenese und Psychogenese Kärntens in vielen Fällen unterschiedlich von den entsprechenden Prozessen Restösterreichs dar. So wurde das Land erst sehr spät und unter besonderen Bedingungen in den österreichischen Staatsbildungsprozess integriert. Möglich wurde dies durch die Etablierung eines ständischen Patrimonialismus zum Beginn der Neuzeit, der den Zugriff der Zentralgewalt auf die regionale Integrationsebene nachhaltig behinderte. Sowohl die Epochen der Reformation und Gegenreformation, des Reformabsolutismus und die der Nationalisierung und Demokratisierung im 19. Jahrhundert verstärkten diesen Prozessverlauf. Die damit verbundene fortlaufende Fragmentierung Kärntens in kleinere Herrschafts- und Verwaltungseinheiten begünstigte den Erhalt maßgeblich segmentär gefasster Figurationen in Kärnten ebenso wie die Herausbildung zweier in sich geschlossener Wir-Gruppen, die sich zunehmend in einer emotional aufgeladenen Konfliktspirale gegenüberstanden. Erst diese historischen Bedingungen schufen die Grundlage für die Dynamik des Kärntner Volksgruppenkonflikts, den heutigen Erfolg des ?Dritten Lagers? und den Erhalt einer autoritär-patrimonialen politischen Kultur.

Zusammenfassung (Englisch)

Social-scientific research has described Carinthia as an exceptional case in the contemporary history of Austria; the country is characterized by a still unresolved ethnic conflict between the Slovenian speaking minority and the German speaking majority, the unique political success of a right wing party as a particularity in Austria and a political culture marked by corruption scandals, hostility towards strangers and defamation. The present study wants to investigate the historical sociogenetic and psychogenetic conditions of this culture as they have developed in Carinthia in contrast to those of Austria as a whole. It supposes that these differences have led to a distinct conflict system of the two ethnic groups and further, that they still have an impact on the specific political culture in Carinthia today. The country has been integrated into the Austrian state-formation process very late and under special conditions. It was the establishment of an estates-based patrimonialism at the beginning of modern age which prevented the central power of Austria from accessing the local integration level. This situation continued to exist from the following historical period of Reformation and Counter-Reformation to the era of Enlightened Absolutism and the period of nationalization and democratization in the 19th century. This path led to the fragmentation of Carinthia into small and diverse territorial dominions and administrative areas which preserved ?segmental? figurations as well as the development of a peculiar relationship between two originally separate ethnic groups that increasingly came to face each other in an emotionally charged conflict spiral. The present study elaborates the historical conditions that have laid the ground until today for this particular dynamics to continue, and also for the contemporary success of a right-wing ideology and the preservation of an authoritarian-patrimonial political culture.