Titelaufnahme

Titel
Der Räuber in der europäischen Literatur : Fiktionalisierung, Fiktivierung und Literarisierung einer populären Figur im 18. und 19. Jahrhundert / eingereicht von Elke Lackner
Verfasser/ VerfasserinLackner, Elke
Begutachter / BegutachterinKnaller Susanne ; Ertler Klaus-Dieter
Erschienen2012
Umfang655 S. : 2 Zsfassungen + 1 CD-ROM
HochschulschriftGraz, Univ., Diss., 2012
Anmerkung
Zsfassung in dt. und engl. Sprache
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (GND)Europa / Literatur / Räuber <Motiv> / Geschichte 1700-1900 / Europa / Literatur / Räuber <Motiv> / Geschichte 1700-1900 / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-43243 Persistent Identifier (URN)
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Der Räuber in der europäischen Literatur [4.31 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Figur des Räubers und seine Entwicklung zum literarischen Protagonisten im 18. und 19. Jahrhundert. Eine zentrale These der Arbeit ist, dass der faktisch vorhandene Räuber über den performativen Akt der Hinrichtung fiktionalisiert und so zu einem Element des literarischen Systems werden kann. Die in Form einer Theateraufführung inszenierte Hinrichtung markiert nicht nur den Übergang vom Leben in den Tod, sondern auch von Realität in Fiktion. Der Räuber, der die Rolle des reuigen Sünders zu spielen hat, wird durch sie zum Gesprächsstoff der Zuschauer, die in der Folge mehr über die hingerichtete Person wissen möchten. Zahlreiche, zunächst parajournalistische, später literarische Werke entstehen. Dabei kommt es zu Stilisierungen, die von anderen Systemen wie Religion oder Pädagogik bewusst genutzt werden. Der Räuber wird außerliterarisch funktionalisiert. Durch gesellschaftliche Veränderungen entsteht jedoch eine zunehmende Autonomisierung des Literatursystems, das nicht mehr von anderen Systemen instrumentalisiert werden soll: eine Veränderung, die sich an der Räuberfigur zeigen lässt, die zunehmend eine Ent-Realisierung und Fiktivierung erfährt, bis sie, gänzlich auf Selbstreferenz umgestellt, zum literarisierten Phänomen wird. Die enge Verkettung von gesellschaftlicher und literarischer Entwicklung wird unter Rückgriff auf Luhmanns Gesellschaftstheorie dargelegt und durch eine Analyse des historischen Bezugsrahmens eingeleitet, um den Weg vom faktischen über den faktisch-fiktionalisierten und faktisch-fiktivierten zum literarisierten Räuber nachzuzeichnen. Neben anonym erschienenen werden hierfür Werke von Nodier, Defoe, Swift, Ainsworth, Schiller, Abel und Zschokke herangezogen. Schließlich wird ein Ausblick auf die Rezeption des Räubers im 20. Jahrhundert gegeben, der mit dem Entstehen der Kriminalliteratur nicht aus der Literatur verschwindet, sondern in der Trivial- und Kinderliteratur sowie im Medium Film präsent bleibt.

Zusammenfassung (Englisch)

This dissertation focuses on the transition of the character of the brigand to literary protagonist over the course of the 18th and 19th century. As a result of the performative act of execution, the brigand is fictionalized and henceforth part of the literary system. The public and highly staged execution marks not only the transition from life to death, but also from reality to fiction. The brigand, who at the end of his life has to play the role of the repentant sinner, becomes, due to the public and highly staged spectacle, a subject of interest for the populace, who wants to know more about the person executed. Numerous at first factual and then fictional works are published in order to satisfy the public?s curiosity and sensationalism. As a consequence, various stylizations and romantic transfigurations are willfully exploited by other systems, such as religion, politics, and education, thus functionalizing the bandit outside the literary system. Simultaneously, as a result of societal changes, the literary system becomes increasingly autonomous and is no longer functionalized by other systems. The brigand is no longer factual, but fictional and even fictitious. As the literary system passes finally into self-reference, the brigand becomes a fully literarized phenomenon. The close relation between social and literary evolution is demonstrated taking recourse to Niklas Luhmann?s social theory. This study is framed by an analysis of the historical context in order to be able to trace the brigand?s journey from a factual and factual-fictionalized to a literarized figure, utilizing prose works by Nodier, Defoe, Swift, Ainsworth, Abel, Schiller, and Zschokke, as well as anonymous works. Finally, a preview of the brigand?s role in 20th-century literary works is provided. With the birth of crime fiction, the brigand does not disappear; rather, he survives in popular literature, children?s literature, and film.