Titelaufnahme

Titel
Fortune - Infortune - Fort Une : ein europäisches "Gesamtkunstwerk" der frühen Renaissance. Die Grabmäler in der Stiftskirche zu Brou in ihrem kunsthistorischen und kulturpolitischen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der burgundischen Tradition / vorgelegt von Klaus-Jürgen Schaupp
Verfasser/ VerfasserinSchaupp, Klaus-Juergen
Begutachter / BegutachterinBiedermann Gottfried
Erschienen2012
UmfangVI, 201 Bl. : 2 Zsfassungen + 1 CD-ROM ; Ill., Kt.
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2012
Anmerkung
Zsfassung in dt. u. engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Kloster Brou / Grabmal / Kloster Brou / Grabmal / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-42466 Persistent Identifier (URN)
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Fortune - Infortune - Fort Une [13.28 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Habsburgerin Margarete von Österreich (1480 ? 1530), die sich nach drei ebenso kurzen wie glücklosen Ehen als Politikerin, Diplomatin und Intellektuelle emanzipieren konnte, ließ ihrem letzten Gatten und mit ihm der Verbindung der Häuser Österreich und Savoyen ein Denkmal errichten: Unter Berufung auf ihre Vorfahren, die burgundischen Valois-Herzöge, gründete sie unweit der Kartause von Champmol im bressanischen Brou ein Kloster, das ganz der fürstlichen Memoria gewidmet war: Das Gebet der dort angesiedelten Augustinermönche sollte den Seelen der Verstorbenen Heil bringen wie auch deren Andenken bewahren. So fand in der für die Kunstlandschaft durchaus atypisch angelegten Klosterkirche, Margarete hatte letztlich arrivierte Baumeister aus den Niederlanden entsandt, neben den Grabmälern ihres verstorbenen Ehemannes und dessen Mutter ihr eigenes Platz: Die in der kunsthistorischen Literatur vergleichsweise wenig beachteten, von Margaretes Hofbildhauer Conrat Meit gefertigten Grabfiguren erweisen sich bei näherer Betrachtung als hervorragende Beispiele deutscher Renaissanceskulptur. Der vermutlich aus Worms stammende Bildhauer war vor dem Engagement bei der Erzherzogin am kursächsischen Hof in Wittenberg tätig gewesen und hatte seine Fähigkeiten vor allem im Kleinformat und im repräsentativen Fürstenportrait oftmals unter Beweise gestellt. Die beiden monumentalen Etagengrabmäler in Brou zeigen die Fürsten nicht nur ?en vie?, also als weltliche Herrscher in reifen Jahren, sondern auch ?en transi?, quasi von allem Irdischen befreit, bereits im Jenseits. Meit durchbricht dabei stilistisch die in den nördlichen Ländern noch vorherrschende gotische Verzerrung und bedient sich einer wesentlich naturalistischeren, Cranach d. Ä. und Dürer nahestehenden Formensprache. Neuerungen sind darüber hinaus auch typologisch festzustellen, so zeugen diese Liegefiguren mit ihrer fundamental veränderten Darstellungsweise des Todes vom freien, humanistischen Geist der Neuzeit.

Zusammenfassung (Englisch)

After finding individual fulfilment as politician, diplomat and intellectual as a widow, Habsburg princess Margaret of Austria (1480 ? 1530), commissioned a monument in her late husband?s honour also commemorating the Habsburg-Savoie union. Her marriage to duke Philibert of Savoie is said to have been her only happy one.As a reference to her Burgundian ancestry she founded a memorial cloister not too far from the Carthusian monastery of Champol: Augustinian monks were called to Brou in Bourg-En-Bresse to pray for the salvation of the noble couple. In order to create the memorial sculpture she assigned sculptor Conrat Meit (1470/85 ? 1551), who was supposedly born in Worms and had worked for Frederick III., Elector of Saxony, in Wittenberg before being hired as court sculptor by Margaret of Austria in Mecheln. Before he was sent to Brou, Meit?s major field of work used to be cutting wooden portraits for mostly representative purposes as well as general miniature sculpture of mythical or biblical subject. The couples? tombs in Brou consist each of two monumental recumbent figures, one on a marble table, the other one right underneath as an echo of the nobleman?s souls: The first one portrays the couple with their respective regalia at a mature age, whilst all earthly honours are taken away from the other one, depicting the dukes as bare sinners, but physically glorified and embellished, taking away all traces of decay and terror of death usually shown in late gothic tomb sculpture. Thus Meit created a new kind of tomb sculpture in Brou, reflecting the humanist mind-set of early German Renaissance. Meit?s effigies are also ground-breaking in terms of style, as one of the first examples of the more naturalistic, rounded Renaissance style in northern countries.