Titelaufnahme

Titel
Die Blutschande in historischer, strafrechtlicher und rechtvergleichender Sicht / vorgelegt von Andrea Haller
Weitere Titel
Incest in historical, criminal and constitutional sight
Verfasser/ VerfasserinHaller, Andrea
Begutachter / BegutachterinSchick Peter
Erschienen2010
UmfangGetr. Zählung : Zsfassung ; Ill.
HochschulschriftGraz, Univ., Dipl.-Arb., 2010
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Inzest / Recht / Geschichte / Inzest / Recht / Geschichte / Online-Publikation
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-15892 Persistent Identifier (URN)
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Die Blutschande in historischer, strafrechtlicher und rechtvergleichender Sicht [0.33 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Blutschande wurde im Laufe der Geschichte unterschiedlich weit bzw. eng gefasst und geahndet, abhängig von den jeweiligen ethisch-moralischen, politischen, religiösen und rassistischen Sichtweisen. Daher befassten sich außer den Gesetzgebern auch Ethnologen, Soziologen und Psychoanalytiker mit dieser Thematik.Blutschande, teilweise legalisiert, teilweise unter Strafe gestellt, gab es schon in der Antike und wird auch in der Bibel erwähnt. Ab dem frühen Mittelalter bestrafen kirchliche und weltliche Obrigkeiten die Blutschande, wobei das kanonische Recht die deutsche und österreichische Gesetzgebung stark beeinflusste. Rechtsvergleiche zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich weisen aber neben Parallelen auch Unterschiede auf. Allen drei Rechtssprechungen, so wie denen anderer Staaten auch, ist gemeinsam, dass das Inzestverbot die Familie in ihrem Bestand schützen und verhindern soll, dass durch inzestuöse Verbindungen die Gesundheit der Nachkommenschaft gefährdet wird.Dass auch zwischen den Vertretern des Rechtsstaates unterschiedliche Meinungen bestehen, was das Inzestverbot für Geschwister betrifft, zeigt die jüngste Diskussion um die Verfassungsmäßigkeit des § 173 dStGB in Deutschland. Ausgelöst wurde diese durch die Verurteilung eines deutschen Geschwisterpaares, welches vier gemeinsame Kinder gezeugt hat. Befürwortern des Inzestverbotes wird entgegengehalten, dass jeder Mensch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung habe, mögliche Erbschäden kein hinreichender Grund für ein Inzestverbot seien, das Inzestverbot lediglich Moralvorstellungen, nicht aber ein konkretes Rechtsgut schütze. Tatsächlich ist der Geschwisterinzest noch in einigen Staaten straffrei.Die österreichische Kriminalstatistik aus den Jahren 1999 bis 2007 weist einige Fälle von Blutschande aus, doch sagt sie nichts über die tatsächlich begangenen Delikte aus, weil über die Dunkelziffer nur spekuliert werden kann.

Zusammenfassung (Englisch)

In the course of time the proscribed degrees and the punishment of incest have been varying and depended on the prevailing ethic, moral, political, religious and racist attitudes of a society. Consequently, not only the legislative body, but ethnologists, sociologists and psychoanalyst took an interest in this issue.Incest, sometimes considered legal, sometimes punished, already existed in pre-Christian times and is referred to in the Bible. Since the early Middle Ages the church as well as the state punished incest. The canon law had a great impact on the German and Austrian jurisdiction. By comparing the legal systems between Germany, Switzerland and Austria, one can recognize parallels as well as differences. But all legal systems forbid incest in order to protect the family and domestic peace and to prevent mental and/physical weaknesses of the descendants.A debate that recently arose in Germany with regard to the constitutionality of the § 173 dStGB shows that even the representatives of the legislation have adopted different opinions with regard to the prohibition of sexual intercourse between brother and sister. This discussion was triggered off by the incestuous relationship between a young man and his younger sister, who became parents of four children. One claim that sexual relationships between brother and sister must be forbidden, whereas others argue that every individual is entitled to sexual self-determination; that possible genetic defects and diseases are no sufficient reason for prohibiting sexual intercourse between brother and sister; prohibiting this intercourse just protects certain attitudes to morality but not a specific legal asset. There still exist some countries where sexual intercourse between brother and sister goes unpunished. The Austrian crime statistics from the years 1999 to 2007 reveals some cases of incest. However, this number does not really tell us much because of the number of unreported cases.