Titelaufnahme

Titel
Antijudaistische Stereotype des Hoch- und Spätmittelalters an ausgewählten Beispielen der Bildsprache / vorgelegt von Christoph Reicht
Weitere Titel
Antijudaist stereotypes of the High and late Middle Ages at selected examples of the visual language
Verfasser/ VerfasserinReicht, Christoph
Begutachter / BegutachterinGiessauf, Johannes
ErschienenGraz, 2017
Umfang115 Seiten : Zusammenfassungen (2 Blätter) ; Illustrationen
HochschulschriftKarl-Franzens-Universität Graz, Diplomarbeit, 2017
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung des Verfassers/der Verfasserin
Zusammenfassungen in Deutsch und Englisch
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Bildersprache / Judentum / Stereotyp / Geschichte 1200-1500
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-114852 Persistent Identifier (URN)
Zugriffsbeschränkung
 Das Werk ist frei verfügbar
Dateien
Antijudaistische Stereotype des Hoch- und Spätmittelalters an ausgewählten Beispielen der Bildsprache [4.35 mb]
Links
Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Antijudaismus ist ein komplexes Problem, das seine Wurzeln in der Spätantike hat. Aus religiösen Differenzen zwischen Judentum und Christentum heraus entstand im Hochmittelalter ein tiefgreifender Hass der christlichen Mehrheit gegenüber der jüdischen Minderheit. Juden galten als religiös verstockt, hinterlistig und böse, waren Ausgrenzung, Verfolgung und körperlicher Gewalt ausgesetzt und wurden im späten 15. Jahrhundert aus allen größeren Städten des Reiches vertrieben. Die Vorwürfe gegen Juden waren vielfältig und in den meisten Fällen frei erfunden. Man beschuldigte sie des Gottes- und Ritualmordes, der Hostienschändung, der Brunnenvergiftung oder des Wuchers, setzte sie mit Tieren, besonders Schweinen, gleich oder unterstellte ihnen einen Pakt mir dem Teufel. Viele dieser Stereotype wurden über Jahrhunderte hinweg tradiert und schlugen sich auch in der Bildsprache nieder. Erste antijüdische Motive, wie die Gegenüberstellung von Ecclesia und Synagoge, bezogen sich ausschließlich auf die vermeintliche "religiöse Minderwertigkeit" der Juden und traten in Form von Plastiken in und an Sakralbauten auf. Später kamen auch andere, nicht-religiöse Motive hinzu, die über Massenmedien wie Flugblätter einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden: Die so genannte "Judensau" verspottete Juden nicht nur auf der religiösen Ebene, sondern diente vielmehr der allgemeinen Herabwürdigung und Hetze. Die Darstellung des jüdischen Wuchers war bereits von religiösen Motiven weitgehend entkoppelt und sollte auf die „verbrecherischen“ Machenschaften der jüdischen Kreditgeber aufmerksam machen. Inwieweit es zu einer Verlagerung von religiösen antijüdischen Motiven hin zu nicht-religiösen beziehungsweise allgemeinen oder wirtschaftlichen Motiven in der Bildsprache kam, ist Gegenstand der vorgelegten Arbeit. Die Untersuchung beschränkt sich hierbei auf das (Deutsche) Reich und den Zeitraum zwischen 1050 und 1500.

Zusammenfassung (Englisch)

Anti-Judaism is a complex problem that has its roots in late antiquity. Out of religious differences between Judaism and Christianity a deep hatred of the Christian majority against the Jewish minority arose in the High Middle Ages. They were regarded as religiously constricted, deceitful and evil, exposed to exclusion, persecution and physical violence, and were expelled from all the major cities of the empire in the late fifteenth century. The allegations against Jews were manifold and, in most cases, fictitious. They were accused of ritual murder, desecration of altar breads, fountain poisoning, or usury, they were equated with animals, especially pigs, or suspected to make a pact with the devil. Many of these stereotypes have been handed down over the centuries and have also been reflected in the visual language. The first anti-Jewish motifs, such as the confrontation of Ecclesia and Synagogue, concerned exclusively the religious inferiority of the Jews and occurred in the form of sculptures in and on sacred buildings. Later, other non-religious motifs were added, which were made accessible to the general public through mass media such as leaflets: the Judensau mocked Jews not only on the religious level, but rather served as a general affront and instrument of hate. The depiction of the Jewish usury had already been largely decoupled from religious motives and should draw attention to the "criminal" machinations of Jewish lenders. The extent of the shift from religious anti-Jewish themes to non-religious or general or economic motifs in the visual language is the subject of the presented work. The analysis is limited to the (German) empire and the period between 1050 and 1500.