Titelaufnahme

Titel
Steuerungsmöglichkeiten im Gentrification Prozess als wichtiger Aspekt einer Urban Governance (am Beispiel Berlin) / vorgelegt von Ines Woschitz
Weitere Titel
Control possibilities in the gentrification process as an important aspect of urban governance (Berlin as an example)
Verfasser/ VerfasserinWoschitz, Ines Larissa
Begutachter / BegutachterinBrunner, Franz
ErschienenGraz, 2016
Umfang110 Blätter : Zusammenfassungen (3 Blätter) ; Illustrationen
HochschulschriftKarl-Franzens-Universität Graz, Diplomarbeit, 2016
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung des Verfassers/der Verfasserin
Zusammenfassungen in Deutsch und Englisch
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
URNurn:nbn:at:at-ubg:1-99611 Persistent Identifier (URN)
Zugriffsbeschränkung
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Steuerungsmöglichkeiten im Gentrification Prozess als wichtiger Aspekt einer Urban Governance (am Beispiel Berlin) [2.09 mb]
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Im Fachjargon vorher zu finden, nun in aller Munde: Gentrification. Stellt das ein Problem dar oder handelt es sich hierbei um einen natürlichen Prozess der Stadtentwicklung? Dass Menschen mit höherem Einkommen mehr Macht und Entscheidungsmöglichkeiten haben, ist eine Folgeerscheinung des Kapitalismus. So wie in der Natur die Ressourcen unterschiedlich verteilt sind, so sind sie es auch in unserer kapitalistischen Gesellschaft. Aber Kapitalismus ist vom Menschen erschaffen und nicht natürlich. Ist der Gentrificationprozess also doch keine natürliche Erscheinung, sondern vom Homo Oeconomicus selbst erschaffen und vielleicht sogar gewollt?Eine neoliberale Stadtpolitik und ihr Lobbyismus machen die lokale Politik teilweise zu passiven Unterstützern der angestrebten Investitionspläne. Aber warum passiv? Da Investoren/ innen viel Geld für die Stadt versprechen, insbesondere für eine stark verschuldete Stadt wie Berlin, erscheinen sie als Retter/ innen der Stadt. Durch diese Machtinanspruchnahme seitens der Investoren/ innen gibt die Stadtpolitik quasi ihr „Regierungszepter“ an die Privaten ab, wodurch sich ein großer Handlungsspielraum für sie eröffnet, ohne dabei auf die Stadtbevölkerung Rücksicht nehmen zu müssen. Das sieht man beispielsweise am „Potsdamer Platz“ in Berlin. Luxus- und Neubauten entstehen, ehemals Soziale Wohnungen werden privatisiert oder Förderungen, die vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten unterstützt haben, werden aufgehoben. Den Grund dafür, warum genau Berlin so gute Möglichkeiten für Immobilieninvestitionen bietet, findet man in der Geschichte. Berlin, als ehemals geteilte Stadt, hat unterschiedliche Entwicklungsstadien durchlaufen. Vor allem der Ostteil zu Zeiten der DDR mit seiner kommunistischen Herrschaftsform und seiner zentralen Verwaltung hat die Bürger/ innen in ihrer Eigenständigkeit entmachtet. So konnten diese, nach dem Fall der Mauer, als viele Teile des ehemaligen Ostberlins ins Zentrum der der Stadt rückten, nur hilflos zusehen, wie die Stadt vom profitorientierten Denken und Handeln der westlichen Gesellschaft vereinnahmt worden ist. Dadurch entwickelte sich ein immer größer werdendes Armutsgefälle. Da vor allem der Ostteil günstigen Wohnraum zu bieten hatte, konnte leicht investiert und die alte Bevölkerung verdrängt werden. Gentrification ist die Verdrängung einer Bevölkerungsschicht durch die andere. Dass sich jenes Phänomen aber als viel komplexer erweist und in die gesellschaftlichen und ökonomischen Wurzeln greift, zeigt sich in dieser Arbeit. Zu aller erst konnte die Berliner Bevölkerung nur zusehen, wie die Mieten in die Höhe stiegen, die Förderungen abgebaut und mehr und mehr Soziale Wohnbauten privatisiert wurden. Die Aufwertung wurde dabei als „Revitalisierung“ verkauft, die für schönere Wohnverhältnisse und eine erhöhte Lebensqualität für die Bewohner/ innen sorgen sollte. Mit dieser Aufwertung ging aber unweigerlich eine Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten durch einkommensstarke Haushalte einher. Die davon betroffenen Berliner/ innen wehrten sich und schlossen sich daher im Laufe der Jahre zu Initiativen zusammen, die allein aber zu wenig Druck aufbauen konnten. Erst kürzlich kam es zu Kompromissen zwischen mehreren zusammengeschlossenen Initiativen, dem Bündnis „Mietenentscheid“, und dem Berliner Senat. Eine mühevolle Beteiligung der Bevölkerung bei stadtpolitischen Entscheidungen konnte erreicht werden. Nach so vielen Jahren des Protestierens und Kämpfens um eine Beteiligung bei Entscheidungen in der Stadtentwicklung, ein Durchbruch? Urban Governance nennt sich der Ansatz, der eine „vereinte Anstrengung von Seiten der Kommune, der Zivilgesellschaft und des privatwirtschaftlichen Sektors“ meint (Hall und Pfeiffer 2000, zitiert nach Selle 2013, S. 104). Könnte dies eine Steuerungsmöglichkeit für den Gentrificationprozess darstellen?

Zusammenfassung (Englisch)

Nowadays, gentrification seems to be a rather old fashioned term. It is widely known that nearly every city has its gentrification processes because it is part of the cities natural development. Today, the urban centres underlie neoliberalist politics that follow the profit- making logic. Due to this fact, some people have more money and therefore more power than others. Proponents compare this disparity with the different distribution of natural resources which is an ordinary process. However, how can capitalism and neoliberalism be natural? It seems that this process is intentioned by those who gain from it. It is not the scientific value related to this process that counts but more the political interests. But the population are reacting against this strategy? Initiatives through Berlin have spread over the years but every single one of them was too small to receive general acceptance. In 2015 all the small initiatives were combined to form one big initiative called “Mietenvolksentscheid”. Their claims got heard as they managed to make compromises with the Berlin Senate. However, it took the Berlin Senate too long to appreciate the peoples needs. Nowadays urban development is linked to “Urban Governance” in which every actor takes part in city related political decisions. Not only should the investors that promise a lot of money for the city form this group of people that are allowed to take part in political decisions related to city development. The actors should come from diverse social backgrounds and therefore have different needs. They should be able to participate in political decisions related to urban development because they are the ones who live in the city and ultimately form it. The most important goal is to find compromises between the different actors and the political representatives that the Urban Governance wants to achieve. Through that process it could be possible to control the gentrification process because the people who are affected by it receive a voice.